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Glossar Mediation und Konfliktmanagement

Aktives Zuhören

Aktives Zuhören beschreibt eine Kommunikationstechnik, die unter anderem in der Beratung, Therapie oder der Mediation genutzt wird. Dabei reagiert der Zuhörer auf das Gesagte, indem er mit einer zugewandten Körperhaltung und Mimik und Gestik des Verstehens (wie z.B. Nicken) seine Aufmerksamkeit signalisiert. Weiterhin nutzt er die Techniken des Paraphrasierens und Spiegelns in eigenen Worten, um sein Verständnis zu beschreiben und die Möglichkeit der Korrektur zu geben.

Allparteilichkeit

Der Mediator ist allparteilich, in dem er auf der Seite jedes Medianten steht. Dies schließt eine inhaltliche Neutralität mit ein. Zudem achtet der Mediator bei einem Machtgefälle zwischen den Medianten auf einen Ausgleich und gewährleistet eine gleichberechtigte Beteiligung aller.

Anwendungsgebiete

Mediation wird inzwischen in den verschiedensten Gebieten angewendet, in denen Konflikte auftreten. Typische Felder in der sind zum Beispiel die Familienmediation, besonders bei Trennungen oder auch bei Erbschaftsstreitigkeiten, oder die Mediation bei Nachbarschaftskonflikten. Genauso kommt die Mediation in der Wirtschaft, z.B. bei Konflikten zwischen Mitarbeitern, oder im öffentlichen Bereich zur Anwendung. Hierbei sei der Neubau von Bahnhöfen oder die Umgestaltung von Plätzen genannt. Aber auch in der Schule, zwischen Arzt und Patient, zwischen Mieter und Vermieter und in zahlreichen anderen Gebieten kann Mediation zum Einsatz kommen.

Beratung

Beratung ist eine strukturierte Kommunikationsform zwischen einer beratenden und einer ratsuchenden Person und wird meist zur Bewältigung von (nicht pathologischen) Krisen in Anspruch genommen. Sie findet freiwillig statt, ist im Vergleich zu einer Psychotherapie eher kurzfristig und dient hauptsächlich der Stärkung von individuellen Ressourcen. Beratung ist ein rechtlich nicht geschützter Begriff, es gibt also keine verbindlichen Ausbildungsrichtlinien

Beziehungsebene

Kommunikation besteht nach dem Modell von Schulz von Thun aus vier Ebenen: Sachebene, Appellebene, Selbstoffenbarungsebene und Beziehungsebene. Auf der Beziehungsebene kommt zum Ausdruck, wie der Sprecher und der Hörer sich zueinander verhalten, und wie sie sich einschätzen. Der Sprecher kann – durch die Art der Formulierung, seine Körpersprache, Tonfall und anderes – Wertschätzung, Respekt, Wohlwollen, Gleichgültigkeit, Verachtung in Bezug auf den Anderen zeigen. Daraufhin fühlt sich der Hörer entweder akzeptiert oder herabgesetzt, respektiert oder bevormundet. Der Kommunikationsstil zeichnet sich dann häufig dadurch aus, dass Gespräche nicht offen geführt, Informationen unzureichend oder gar falsch vermittelt werden, Geheimnisse und Lügen verbreitet werden und Drohungen/Druck anstelle einer offenen Diskussion treten. Im Allgemeinen sind auch Fehlinterpretationen zu beobachten. So werden Absichten des anderen beispielsweise als feindselig eingestuft.

Co-Mediation

Bei der Co-Mediation wird der Prozess von mehr als einem Mediator geleitet. In manchen Konflikten fühlen sich die Medianden besser vertreten, wenn die Mediatoren zum Beispiel verschiedenen Geschlechtern, Berufsgruppen oder kulturellen Hintergründen angehören. Auch können die Mediatoren die Entscheidung zu einer Co-Mediation fällen, um sich in besonders komplexen oder langen Konflikten gegenseitig zu unterstützen.

Dritte

Mit der dritten Person oder dem allparteilichen Dritten ist im Beratungs-und Mediationskontext meist der Mediator gemeint. Er trifft keine Entscheidungen bezüglich des Konflikts, sondern regelt den Verlauf der Kommunikation und vermittelt zwischen den Konfliktparteien.

Eigenverantwortung

In der Mediation sind die Konfliktparteien stets selbst die Experten für den Konflikt. Sie erarbeiten in eigener Verantwortung eine Lösung, die für sie angemessen ist. Dabei ist der Mediator für die Art und Weise des Vorgehens der Streitbeilegung zuständig. Er unterstützt den Kommunikationsprozess.

Einzelgespräche

In Einzelgesprächen wird mit den Parteien getrennt voneinander geredet. Dies ist in Deutschland umstritten, da viele Mediatoren den Ansatz verfolgen, dass die Medianden den Konflikt selber lösen sollen und gegenseitiges Verständnis aufgebaut werden soll. Dabei wären Einzelgespräche wenig förderlich. In hocheskalierten Konflikten kann es jedoch sein, dass die Parteien Informationen nicht in Gegenwart der anderen Partei offenlegen wollen oder sich vollkommen weigern, mit der anderen Partei in einem Raum zu sein. Hier bieten Einzelgespräche einen sinnvollen Einstieg. In der Shuttle- Mediation kommen sogar nur Einzelgespräche zum Einsatz.

Elder Mediation

Bei der Elder Mediation werden Konflikte rund um das Älterwerden bearbeitet. Dabei kommen spezielle Themen zum Einsatz, wie die Versorgung der alternden Person, Generationenkonflikte oder das Erstellen des Testamentes. Bei der Elder Mediation muss auf den speziellen Hintergrund und die Bedürfnisse der Medianden Rücksicht genommen werden, so können zum Beispiel kürzere Sitzungen und das Verwenden einer angepassten Sprache sinnvoll sein.

Ergebnisoffenheit

Das Prinzip der Ergebnisoffenheit bedeutet, dass Mediationsverfahren sich nicht an vorgegebenen Lösungen orientieren, sondern vielmehr offen sind für flexible und kreative Lösungen. Wenn schon zu Beginn ein Ergebnis feststeht, kommt es nicht zu einer Mediation.

Erstkontakt

Jeder Erstsitzung geht ein Erstkontakt voran. Dieser findet meist telefonisch statt. Es wird geklärt, was das Anliegen ist und ob zum Beispiel eine Mediation in diesem Fall sinnvoll ist. Wenn ja kommt es zu einer Terminabsprache für die erste Sitzung.

Familienmediation

Die Familienmediation ist eine Mediation bei Streitigkeiten innerhalb der Familie (auch z.B. in Familienunternehmen) und innerhalb familienähnlicher Systeme im weiteren Sinn. Die Familienmediation basiert auf denselben Grundsätzen wie die Mediation im Allgemeinen. Hierzu gehören die Freiwilligkeit, Vertraulichkeit, Eigenverantwortlichkeit der Parteien, Ergebnisoffenheit der Mediation und Allparteilichkeit der Mediatoren.

Fragetechniken

Als Fragetechnik wird der gezielte Einsatz von beispielsweise offenen, geschlossenen, indirekten, zirkulären oder Spiegelungsfragen bezeichnet. Das Ziel soll eine strategische Gesprächsführung sein. Anhand von Fragetechniken kann der Gesprächspartner zu ausführlichem Erzählen aber auch zu eindeutigen Aussagen bewegt werden. Sie ermöglichen außerdem das Klären der Gefühle des Klienten und eine differenziertere Reflexion.

Freiwilligkeit

Die Freiwilligkeit ist eines der wichtigsten Prinzipien der Mediation, da das Ziel des Mediationsverfahrens die einvernehmliche Beilegung des Konflikts der Beteiligten ist. Nur der freiwillige Entschluss aller Beteiligten, ein Mediationsverfahren aufzunehmen und durchzuführen, kann die notwendigen Voraussetzungen und den entsprechenden Rahmen für die Entwicklung konstruktiver Lösungen schaffen. Das Merkmal der Freiwilligkeit beinhaltet auch, dass jeder der Beteiligten das Verfahren jederzeit ohne Angabe von Gründen abbrechen kann

Gerichtsverfahren

Als Gerichtsverfahren bezeichnet man eine Auseinandersetzung und deren Untersuchung vor einem Gericht. Am Ende steht eine Urteilsverkündung, die meist einen Gewinner und einen Verlierer definiert, anders als in der Mediation, bei welcher das Ziel eine Win-Win-Situation ist und die Schuldfrage nicht thematisiert wird.

Harvard Konzept

Das Harvard Konzept wurde von Roger Fisher und William Ury im Jahr 1981 in ihrem Buch Getting to Yes formuliert. Dabei geht es um die Methode des sachbezogenen Verhandelns mit dem Ziel einer Win-Win Situation für beide Konfliktparteien.

Hypothesenbildung

Im Beratungs- und Mediationskontext ist eine Hypothese eine Annahme darüber, womit das Problem der Konfliktparteien zusammenhängen könnte. Auf diese Annahme wird dann im weiteren Verlauf aufgebaut. Die Art und Weise wie man eine Hypothese generiert (die Hypothesenbildung) spielt eine wichtige Rolle. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Hypothesenbildung:

  • auf eigenen Erfahrungen basiert
  • auf wissenschaftlichen Theorien basiert

Interessen

Interessen sind von Positionen und von Bedürfnissen abzugrenzen. Positionen sind eindeutige Forderungen und konkretisierte Zielsetzungen, die nur durch exakte Erfüllung vollständig befriedigt werden können. Interessen liegen gedanklich unter bzw. hinter den Positionen. Hinter einzelnen Positionen können viele verschiedene Interessen liegen. Interessen hinter unvereinbar erscheinenden Positionen können sich als gegenläufige, identische oder aber sich ergänzende Anliegen erweisen. Konkreten Interessen der Beteiligten liegen Bedürfnisse zugrunde, die von den Interessen zu unterscheiden sind. Bedürfnisse sind allgemeiner und elementarer als Interessen. Das Bedürfnis steht für einen Mangelzustand, an dem sich Verhaltenssteuerung orientiert, das die Abstellung des Mangels anstrebt. So verstanden werden Bedürfnisse nur aus einer defizitären Situation heraus wahrgenommen.

Konfliktarten

Konflikte kann eine Person mit sich selbst haben oder mit anderen Personen. Oft geht es scheinbar um sachliche Entscheidungen, tatsächlich aber um tiefer liegende Bedürfnisse. Die Klassifizierung der Konfliktarten hilft, den wirklichen Ursachen eines Konflikts näher zu kommen und eine Lösungsstrategie zu erarbeiten.

Verteilungskonflikt

Der Konflikt entsteht als Ergebnis eines Streits um ein knappes Gut

Lösungskonflikt

Es gibt unterschiedliche Vorstellungen über die Lösung einer Aufgabe

Zielkonflikt

Es herrscht Uneinigkeit über die Ziele und das erwartete Handlungsergebnis

Beziehungskonflikt

entsteht aus nicht klar abgegrenzten Verantwortlichkeiten, aus unterschiedlichen individuellen Vorstellungen zu Kompetenzen und Zuständigkeiten oder aus ungeklärten Interessenlagen

Konfliktcoaching

Coaching ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Beratungsmethoden zwischen einem Coach (kompetente Fachkraft) und (mind.) einem Ratsuchenden. Im Unterschied zur klassischen Beratung werden keine direkten Lösungsvorschläge durch den Coach geliefert, sondern die Entwicklung eigener Lösungen des vorliegenden Konfliktes wird begleitet. Das Coaching sollte eine Wirkung im Sinne eines Erfolges nachweisen. Da „Coach“ kein geschützter Begriff, darf sich jeder als „Coach“ bezeichnen.

Konfliktdynamik

Konfliktdynamik beschreibt die Fortentwicklung eines Konflikts. Sie kann destruktiv aber auch konstruktiv sein und hängt von zahlreichen Faktoren ab, z.B. Bedeutung des Konflikts, Konfliktumgang der Parteien, Tiefe des Konflikts, Ziele und Eingreifen Dritter in den Konflikt. Durch jede neue Komponente kann der Konflikt in eine andere Richtung gelenkt oder die Art und Weise des Umgangs verändert werden.

Konfliktmanagement

Das Ziel von Konfliktmanagement ist es, Konfliktkosten zu reduzieren. Dies soll u.a. durch Konfliktberatung, Mediation oder betriebliche Konfliktlotsen erreicht werden.

Konfliktstufen

Glasl stellt die Eskalation von Konflikten in neun Stufen und drei Ebenen dar. Die erste Ebene umfasst die Stufen „Verhärtung“, „Debatte“ und „Taten statt Worte“. Für beide Parteien ist es noch möglich als Gewinner aus dem Konflikt zu gehen (win-win). Ab der zweiten Ebene verliert eine Partei während die andere gewinnt (win-lose). Hier kommen die Stufen „Koalitionen“, „Gesichtsverlust“ und „Drohstrategien“ vor. In der letzten Ebene können beide Parteien nur noch verlieren, von „Begrenzter Vernichtung“ über „ Zersplitterung“ bis „Gemeinsam in den Abgrund“(lose-lose).

Kosten

Durch Konflikte können Kosten entstehen. Dabei handelt es sich um direkte Kosten wie Anwalts- Gerichts- oder Mediationskosten und um indirekte Kosten. Indirekte Kosten fallen z.B. durch Fehlzeiten der Mitarbeiter an, wenn diese aufgrund von Konflikten erkranken oder die Arbeit meiden. So kann es außerdem dazu kommen, dass sich die Qualität der Arbeit verringert und die Fertigstellung aufgeschoben wird. Die Stimmung am Arbeitsplatz wird zunehmend schlechter, was „innere Kündigung“ oder Imageverlust zur Folge haben kann.

Lose-Lose Situation

Die Lose-Lose Situation tritt ein, wenn beide Parteien nur noch als Verlierer aus einem Konflikt kommen können. Hauptsache ist es, der anderen Partei zu schaden, auch wenn die eigene Seite dabei zu Schaden kommt.

Lösungen/ Vereinbarung

Eine Lösung oder Vereinbarung in der Mediation ist ein abschließendes gemeinsames Übereinkommen, dem alle Konfliktparteien zustimmen. Im Idealfall ist es eine nachhaltige Lösung die zur Konfliktbeilegung führt.

Machtungleichgewicht

In der Mediation kann es vorkommen, dass eine Konfliktpartei mehr Macht hat als die andere. Dann kommt es zu einer unausgeglichenen Situation. Dieses Ungleichgewicht kann unterschiedliche Ursachen haben. Verschiedenen Arten der Macht sind zum Beispiel Informationsmacht (eine Partei hat mehr Informationen über einen Sachverhalt) oder Definitionsmacht (eine Partei ist gesellschaftlich eher in der Lage die andere Partei bloßzustellen oder mit einem Label zu versehen). Abhängig von der Ursache des Ungleichgewichts sollte der Mediator die Inbalance ausgleichen.

Mediand

Als Mediand wird eine Konfliktpartei in der Mediation genannt.

Mediation in der Schule

In der Schule kann es zu Konflikten zwischen Schülern, Lehrern, Eltern oder zwischen Schülern und Eltern, Schülern und Lehrern, Eltern und Lehrern, Lehrern und Schulleitung kommen. Mittels Mediation oder Streitschlichtung können diese Angelegenheiten optimal gelöst werden. Dabei gelten die Prinzipien der Mediation: Vertraulichkeit, Ergebnisoffenheit, Selbstverantwortung, Freiwilligkeit und Allparteilichkeit.

Mediation in Erbschaftsfragen

Mediation in Erbschaftsfragen ist die Vermittlung zwischen Konfliktparteien, bei der es um Erbschaftsangelegenheiten geht. Wenn es beispielsweise zwischen den Begünstigten des Testaments zu Streitigkeiten kommt, könnte eine Mediation sinnvoll sein, welche zum Ziel hat, für alle Beteiligten eine annehmbare Lösung zu finden. So kann eine langfristige Einigung erreicht werden.

MediationsG

Das Mediationsgesetz (MediationsG) wurde am 21.07.2012 vom Bundestag beschlossen und ist Teil des Gesetzes zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung. Das Mediationsgesetz definiert unter anderem den Begriff der Mediation und Regelt Aufgaben und Pflichten des Mediators.

Mediationsvertrag

Der Mediationsvertrag ist eine Vereinbarung zwischen den Parteien und dem Mediator. Ein solcher grundsätzlich formloser Vertrag regelt die Aufgaben, Rechte und Pflichten der Konfliktparteien und des Mediators. Mediationsverträge werden meist spezifisch für jeden Einzelfall erstellt

Moderation

Die Moderation ist eine Methode der gemeinsamen Erarbeitung von Inhalten/Prozessen. Der Moderator steuert die Verhandlungen und wirkt mit bei der Auflösung von verhärteten Positionen und Kommunikationsschwierigkeiten wie Missverständnissen oder der Weigerung, die Verhandlungen fortzusetzen. Seine Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Parteien das Augenmerk auf die inhaltliche und sachliche Auseinandersetzung richten. In einer Moderation können nur gering eskalierte Konflikte bearbeitet werden.

Nachbarschaftsmediation

Nachbarschaftsmediation ist die Vermittlung in Konflikten zwischen Nachbarn, z.B. bei Licht- und Lärmbelästigung oder Auseinandersetzungen bzgl. der Hausordnung. Wie bei anderen Mediationen gelten auch hier die Prinzipien Allparteilichkeit, Eigenverantwortlichkeit, Ergebnisoffenheit, Vertraulichkeit und Freiwilligkeit.

Neutralität

Neutralität bezeichnet im Zusammenhang mit Mediation eine Haltung des Mediators und damit ein Prinzip. Es besagt, dass sich der Mediator nicht nur für eine, sondern für beide Seiten einsetzt. Er darf eine Partei nicht bevorzugt behandeln und vorwiegend zu deren Gunsten vermitteln, wie es beispielsweise ein Anwalt machen würde.

Öffentlicher Bereich

Der öffentliche Bereich setzt sich vorwiegend aus Mitarbeitern städtischer Behörden, Verwaltung und städtischen Eigenbetrieben zusammen und steht dem Begriff „Privater Bereich“ gegenüber.

Optionen

Unter Optionen versteht man verschiedene Wahlmöglichkeiten oder Alternativen, um z.B. mit einem Konflikt umzugehen oder konkret zu handeln (Handlungsoptionen).

Paraphrasieren

Das Paraphrasieren ist eine Technik des aktiven Zuhörens. Nach einzelnen Gesprächsabschnitten wird dabei das vom Klienten Gesagte kurz in eigenen Worten wiedergegeben. Das Paraphrasieren sollte knapp gehalten werden und nicht so lang sein wie eine Zusammenfassung. Es dient dazu Aufmerksamkeit zu vermitteln, Missverständnisse aufzudecken und Gefühle zu klären.

Regeln

Eine Mediation unterliegt für Medianden und für Mediatoren verschiedenen Regeln. Diese können auch visuell während der Mediation präsentiert werden. Solche Regeln können zum Beispiel die Kommunikation betreffen (z.B. „Wir lassen einander ausreden“, „Der Mediator sorgt für ausgeglichene Redeanteile“). Wenn sich die Beteiligten nicht an die Regeln halten, kann die Mediation abgebrochen werden. Nur wenn die Kommunikation festen Regeln unterliegt, kann sie gelingen.

Sachebene

Im Kommunikationsmodell von Schulz von Thun wird die Sachebene von der Beziehungsebene, der Appellebene und der Selbstkundgabeebene getrennt. Dabei werden in der Sachebene der eigentliche Inhalt, Daten und Fakten vermittelt. Die Nachricht wird dann vom Hörer auf Wahrheit, Relevanz und Hinlänglichkeit überprüft. Bei Konflikten steht anfangs oft die Sachebene im Vordergrund. Bei genauerem Betrachten des Konflikts geht es meistens aber um tiefere Bedeutungen (Eisbergmodell).

Scheidungsmediation

Scheidungsmediation ist eine Form von Mediation, die sich auf Konflikte rund um die Scheidung bezieht. Es ist eine Alternative zum gerichtlichen Verfahren. Es werden Sorgerechts- aber auch Güterverteilungsangelegenheiten geregelt. Dazu müssen oft zunächst Beziehungsthemen geklärt werden, die die Konflikte über Sachthemen aufrechterhalten und die Lösung dieser erschweren. Darüber hinaus ist ein Ziel, dass sich die Ehepartner auch nach der Scheidung mit gutem Gewissen in die Augen schauen können. Wie bei allen anderen Formen der Mediation gelten auch hier die Grundsätze Vertraulichkeit, Transparenz, Eigenverantwortung und Allparteilichkeit des Mediators.

Selbstreflexion

Selbstreflexion ist die Fähigkeit sich selbst aus einer gewissen Distanz innerlich und äußerlich differenziert zu beobachten und über sich selbst nachzudenken. Oft ist der Begriff auch mit Selbstkritik verbunden. Sie kann ein Ansatzpunkt zum Erkennen von Problemen und für Veränderung sein. Selbstreflexion setzt Selbstbewusstsein voraus.

Shuttle-Mediation

Die Shuttle- Mediation kommt bei hocheskalierten Konflikten zum Einsatz. Hier kommen die Medianden nicht in einem Raum zusammen um den Konflikt gemeinsam zu erarbeiten. Vielmehr führt der Mediator mit beiden Parteien Einzelgespräche und verhandelt auch getrennt mit ihnen. Die Kommunikation läuft so nur über den Mediator.

Spiegeln

Beim Spiegeln geht es darum, das Gehörte des Gesprächspartners zusammen zu fassen und mit eigenen Worten wiederzugeben.

Struktur

Struktur umfasst die Organisation einer Gesamtheit und die Wechselwirkungen und Einteilung der Elemente eines Systems.

Systemische Mediation

Die Methode der systematischen Mediation zeichnet sich dadurch aus, dass man sich nicht auf den Problemträger konzentriert, sondern ein ganzes System in den Blick nimmt. Der Einzelne wird nur insoweit als Individuum betrachtet, wie er als Element auf das System wirkt und wie diese auf ihn einwirkt. Das Individuum wird als „Symptomträger“ gesehen. Damit wird berücksichtigt, dass die Problematik, die sich am Individuum zeigt, nicht dessen ureigene und isoliert zu betrachtende Sympto­matik sein muss. Eine Störung hat ihre Ursache in einem gestörten Ablauf im Gesamt­system.

Täter-Opfer Ausgleich

Beim TOA handelt es sich um eine Mediation im Strafverfahren. TOA ist ein im Gesetz (JGG und StGB) verankertes außergerichtliches Schlichtungsverfahren. Es ist zu jedem Zeitpunkt eines Strafverfahrens möglich und kann durch Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe oder ein Gericht angeregt werden. Für die Beteiligten ist es freiwillig und kostenlos. Allparteiliche VermittlerInnen unterstützendabei, Konflikte zu lösen und Regelungen zu vereinbaren. Ziele dabei sind: Ängste abbauen, zukünftige Begegnungen regeln, erneuter Eskalation vorbeugen, konstruktive Konfliktlösungsstrategien erlernen. Ein weitergehender Beratungs- oder Erziehungshilfebedarf kann dadurch allerdings nicht ersetzt werden. Bei einer Lösung des Konflikts kann das Verfahren eingestellt, aber jederzeit wieder aufgenommen werden.

Themen

In der zweiten Phase der Mediation stellen die Parteien ihre Streitpunkte und Anliegen im Zusammenhang dar, sodass Themen und Konfliktfelder gesammelt und für die weitere Bearbeitung strukturiert werden können.

Therapie

Als Therapie wird die Behandlung einer Störung bezeichnet nachdem eine Diagnose gestellt wurde. Ziel dabei ist die Heilung oder deren Beschleunigung, Wiederherstellung des Funktionsniveaus oder die Beseitigung der Symptome.

Transformative Mediation

Die Transformative Mediation ist eine Variante der Mediation, bei dem die Konfliktpartner ihr Konfliktverhalten ändern, indem sie ermächtigt werden, selbst Probleme und Ziele zu definieren. Der Konflikt soll transformiert werden. Durch Empowerment (Befähigung) sollen sich die Parteien der Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen, und deren effektiver Nutzung bewusst werden. Der zweite Bestandteil “Recognition” ist zu verstehen als eine gegenseitige Anerkennung, die durch Gedanken, Worte oder Taten der Parteien vermittelt wird. Die Phasen und Prinzipien der Mediation sind adäquat zu anderen Varianten der Mediation.

Transparenz des Verfahrens

Unter Transparenz versteht man die Offenlegung eines Verfahrens, hier der Mediation, für alle Beteiligten. Sie wissen, worauf sie sich einlassen und was auf sie zukommen wird. Die Vorgehensweise wird dargestellt und alle Schritte sind nachvollziehbar.

Verhandeln

Verhandeln bedeutet einen Sachverhalt zu diskutieren mit dem Ziel, sich zu einigen. Dabei können verschiedene Herangehensweisen und Techniken zwischen den Verhandlungsparteien zur Anwendungen kommen.

Vertraulichkeit

Vertraulichkeit ist ein Prinzip der Mediation. Es umfasst, dass sowohl der Mediator als auch die Medianden die in der Mediation preisgegebenen Informationen vertraulich behandeln. Es geht dabei um mehr als nur Betriebsgeheimnisse. Bei geschickten Fällen bedeutet Vertraulichkeit auch, dass bspw. der Betriebsrat nicht über Inhalte der Mediation in Kenntnis gesetzt werden darf, sondern nur einen Hinweis bekommt, ob die Mediation einen guten Verlauf zeigt.

Wertschätzung

Wertschätzung ist unter anderem in der Mediation ein zentraler Begriff. Für ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mediator und Medianten, in dem eine offene Gesprächsatmosphäre herrscht, ist gegenseitige Wertschätzung eine wichtige Voraussetzung. Wertschätzung umfasst das Entgegenbringen von Respekt, Akzeptanz und Achtung.

Win-Lose Situation

Eine Win-Lose Situation ist dann gegeben, wenn der Punkt in einem Konflikt erreicht wurde, an dem eine Partei gewinnen kann, während die andere verlieren wird.

Win-Win Situation

Am Anfang eines Konfliktes ist die Eskalation noch nicht so weit fortgeschritten. Beide Konfliktseiten können noch als Gewinner aus der Situation herausgehen.

Wirtschaftsmediation

Wirtschaftsmediation ist die Form der Mediation, die sich auf Konflikte innerhalb von Firmen, zwischen Organisationen oder auf Bürgerbeteiligung bezieht. Es kann beispielsweise zwischen Führungskräften vermittelt werden, ein Team kann gestärkt werden oder Zahlungskonflikte können behoben werden. Dabei gelten wie bei jeder anderen Form der Mediation auch die Grundsätze Freiwilligkeit, Eigenverantwortung, Vertraulichkeit, Allparteilichkeit des Mediators und Transparenz.

Zukunftsorientierung

Zukunftsorientierung ist eins der Hauptprinzipien des Verfahrens der Mediation. Es besagt, dass sowohl die Lösungen, die in der Mediation erarbeitet werden, als auch die erlernte Form der Kommunikation langanhaltend sein sollen. Es geht hier nicht nur um die zeitnahe Beendigung des Konfliktes, sondern hauptsächlich um eine nachhaltige Verbesserung der Konfliktkultur.

Zertifizierung

Zertifizierung ist ein Verfahren, mit dem die Einhaltung von bestimmten Richtlinien sichergestellt wird. Meist ist diese zeitlich befristet und muss nach einiger Zeit erneuert werden. Zertifizierungen werden von verschiedenen Instituten ausgestellt, z.B. TÜV